Die Großzügigkeit und Klarheit schafft Platz für unterschiedliche Lebensbedürfnisse, auch wenn sie sich verändern

Interview mit MSM Meyer Schmitz-Morkramer

MSM Meyer Schmitz-Morkramer übernimmt die Gestaltung der Punkthäuser mit klassischer Klinkerfassade. Vier- und fünfgeschossige Blockrandbebauung mit achtgeschossiger Eckbetonung und Punkthäuser gruppieren sich um den privaten Innenhof. Alle Wohnungen werden konsequent aus dem öffentlichen Bereich erschlossen.

Was macht Ihren Entwurf aus? Auf was nehmen Sie mit Ihrem Entwurf Bezug?
Der Hauptteil unserer Arbeit lag in der Gestaltung großzügiger Wohnungen innerhalb des festgelegten, städtebaulichen Rahmens. Hier stand für uns die Arbeit mit einer neuen Materialität im Mittelpunkt. Wir setzen auf Ziegel, um uns in München ein Stück weit von den üblichen Gebäuden mit Putzfassade abzusetzen. Die Großzügigkeit und Klarheit im Grundriss der Wohnungen schafft Platz für unterschiedliche Lebensbedürfnisse, auch wenn sie sich verändern. Zugleich schaffen wir mit dem Entwurf im Stadtteil Pasing-Obermenzing, welcher schon allein durch seine Grünflächen und die zentralen Lage zum Nymphenburger Schloss punktet, eine neue Art von Wohnqualität.

Gibt es architektonische Vorbilder, an denen Sie sich beim EASY orientieren?
Bei den Solitärgebäuden erinnern wir uns an die kompakten, kleinen Villen von Mies van der Rohe in Krefeld – Haus Lange und Esters, die heute Museen sind. Sie bestechen durch ihre Ziegelarchitektur und sind in Würde gealtert. Unser Entwurf in der Paul-Gerhardt-Allee in Pasing ist eine Allianz aus diesen klaren, formalen Gestaltungsgedanken und zugleich auch eine Reminiszenz an die Idee der rund hundert Jahre alten Gartenstadt-Siedlungen in München. Grüne, urbane Gebiete mit Qualität und Stil.

Als Kölner Architekturbüro: Was macht ein Immobilienprojekt in München für Sie besonders spannend? Inwiefern spielt der Standort bei der Planung für Sie eine wichtige Rolle?
Der Blickwechsel von Köln nach München führt zu einem neuen Spannungsbogen. Wir haben deutschlandweit fünf Büros und zwei Hauptstandorte in Köln und Frankfurt und sind in unserer Gedankenwelt vom Rhein und dem Hessischen geprägt. Es ist von diesem regionalen Kontext ausgehend spannend, sich in einem anderen Markt zu bewegen, ihn neu zu interpretieren und dadurch ungewohnte Perspektiven zuzulassen. Die kulturellen und landschaftlichen Eigenheiten zu betrachten sowie den Alpenblick aus der obersten Etage in Obermenzing beispielsweise neu zu erleben und zu inszenieren fällt ebenfalls in diese Kategorie.

Selbst in einer Metropole wie München ist die Realisierung eines Immobilienprojekts durch zwei eigenständige Architektenbüros eine Seltenheit. Wo sehen sie hierbei die besonderen Herausforderungen und wo die Chancen?
Die Chancen sind hoch, die Herausforderungen ebenfalls: von beiden Büros ist die Fähigkeit verlangt, zuzuhören, Kompetenzen auszutauschen, gemeinsam etwas zu bewegen. Die Zusammenarbeit mit Grassinger Emrich Architekten aus München ist großartig. Es stecken enorme Chancen darin, die Kompetenzen zu maximieren, denn beim Partnerbüro tauchen identische Fragen auf, die jedoch mit anderen und neuen Lösungen verbunden werden. Aus der Kollaboration ergibt sich also ein doppeltes Know-How für den Bauherren, denn gemeinsam kommt man zu den besten Ergebnissen.

Laut den Ergebnissen einer aktuellen Umfrage, die das Datenunternehmen Statista für das Nachrichtenmagazin Focus durchgeführt hat, gehört MSM Meyer Schmitz-Morkramer 2017 zu den besten Architektenbüros Deutschlands. Woran merkt der EASY-Käufer, dass er hier das Planungswerk eines Stars der Branche vor sich hat?
Wir sehen uns selbst nicht als Star-Architekten, sondern als Büro, das die beste Lösung für Bauherr, Ort und Nutzer finden möchte. Zugleich ist es für uns natürlich von Vorteil, dass wir viele, große und bundesweit bekannte Projekte umgesetzt haben. Wie in vielen anderen Branchen, gilt auch in der Architektur der Leitsatz: Je größer und breiter das Portfolio, desto mehr hat man gelernt. Zugleich bringen wir unsere grundsätzliche Haltung ein, die lautet: Mit einem hohen Anspruch sowohl kleinere als auch große, städtebauliche Projekte umzusetzen. Uns ist es nicht egal, was am Ende gebaut wird. Deshalb setzen wir uns mit Kraft und Engagement ein – bis zum Schluss.

In München werden seit Jahren Kritiker laut, die behaupten, alle Neubauprojekte würden gleich aussehen. Tanzt Ihr Entwurf aus der Reihe?
Ja, weil er nicht dem kritisierten „München-Style“ entspricht und glattgebügelt ist, sondern hohen Wert auf Qualität, Details und neue Ansichten legt. Es sind einige Punkte, die frisch interpretiert worden sind: neue Gesten, das Volumen, die Machart des Gebäudes. Wir haben eine neue architektonische Sprache und Materialien gefunden. Erfahrungen und der Blickwechsel vom Rhein an die Isar haben dabei nicht zuletzt eine wichtige Rolle gespielt.